Pfalznetz: Instandhaltungswerk und erste Akkuzüge für den Einsatz vorbereitet
Im Rahmen eines ´Blicks in die Werkstatt´ konnten sich die Partner des Akkuzugprojektes von den Fortschritten bei der Inbetriebnahme des neuen Zugtyps überzeugen.

© ZÖPNV Rheinland-Pfalz Süd | Fritz Engbarth
Die Weichen gestellt: Erste Fahrzeuge im Werk Kaiserslautern eingetroffen
Im DB Regio Werk Kaiserslautern wurde heute der neue Instandhaltungsbereich für die künftigen Akkuzüge vom Typ Stadler FLIRT Akku vorgestellt. Im Beisein von Katrin Eder, Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz und Michael Heilmann, Verbandsdirektor Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd (ZÖPNV RLP Süd) präsentierte Dr. Silke Janser, Vorsitzende der Regionalleitung DB Regio Mitte, gemeinsam mit der Werkstattleitung die modernisierten und erweiterten Anlagen in Kaiserslautern. Das Werk im Herzen des Pfälzerwaldes wird künftig insgesamt 44 der modernen Akkuzüge beheimaten, die nun nach und nach werksneu in die Pfalz kommen.
Ministerin Eder: Leuchtturmprojekt für Rheinland-Pfalz
Ministerin Katrin Eder überzeugte sich von den Baufortschritten und sagte: „Das Pfalznetz ist eines der ersten und größten Netze rein mit Batteriefahrzeugen in Deutschland und ein Leuchtturmprojekt für Rheinland-Pfalz. Eine ganze Region wird damit von Diesel auf Strom umgestellt. Schon jetzt sind 46 Prozent des Streckennetzes in Rheinland-Pfalz elektrifiziert, weitere Projekte im Ahrtal, in der Eifel und an der Mosel sind in Umsetzung. Mit der Elektrifizierung des Pfalznetzes kommen wir einem nachhaltigen und modernen Schienenverkehr ein großes Stück näher. Die ersten Testfahrten der mit Öko-Strom betriebenen Akkuzüge und die Fertigstellung der Werkstatt sind dafür wichtige Schritte. Darum unterstützen wir die Elektrifizierung des Pfalznetzes mit rund 33 Millionen Euro.“
Vom Diesel zum Akku: Werkstatt und Fahrpersonale fit für die Züge der Zukunft
Für die Instandhaltung der neuen Akkuzüge wurde eine bestehende Werkhalle umfassend an die technischen Anforderungen der Neufahrzeuge angepasst und ausgebaut. Neben baulichen Anpassungen an der Halle selbst wurden auch wesentliche Anlagenteile im Werk erneuert oder neu errichtet. Im Überblick wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Verlängerung der Werkhalle auf der Ostseite um 5,0 Meter
- Versetzung der Hallentore auf der Westseite um 1,5 Meter
- Errichtung von zwei neuen Arbeitsständen, ausgelegt auf die neuen Fahrzeuge, mit einer Länge von 55,5 Metern, jeweils mit integrierter Arbeitsgrube und festen Dacharbeitsbühnen
- Ausführung der Arbeitsgruben mit einer Tiefe von 1,75 Metern unter Schienenoberkante (SOK) und einer lichten Arbeitsgrubenbreite von 1,15 Metern
- Errichtung eines Batteriecontainers zur sicheren Lagerung der Fahrzeug-Akku-Packs
- Aufbau von Anlagen zur Fremdstromversorgung mit 400 V und 1000 V
- Erneuerung der Hebebockanlage und der Radsatzwechselanlage im Werk
„Damit ist die bisher reine Dieselwerkstatt mit einer Investitionssumme von sechs Millionen Euro zu einem modernen Instandhaltungsstandort für Akkuzüge ausgebaut und autorisiert. Die neue Halle erfüllt die technischen Anforderungen der neuen Fahrzeuge ebenso wie hohe Standards bei Sicherheit und Ergonomie für die Mitarbeitenden“, so Dr. Silke Janser.
Mit der Auslieferung von vier ersten Neufahrzeugen hat parallel zum technischen Hochlauf der Werkstatt die Qualifizierung der Fahr- und Instandhaltungspersonale vor Ort begonnen. Insgesamt werden rund 300 Triebfahrzeugführer:innen für den Einsatz auf der neuen Baureihe im Pfalznetz ausgebildet. Nachdem zunächst im Train-the-Trainer-Ansatz alle Ausbilder geschult wurden, haben am 4. Mai die ersten Ausbildungsgruppen mit Triebfahrzeugführerinnen begonnen. „Zur Sicherstellung des laufenden Betriebes bestehen die Gruppen in der Regel aus jeweils drei Mitarbeitenden. Je nach Vorkenntnissen werden sie dabei innerhalb von zwei bis sieben Tagen intensiv auf Fahrzeugtechnik und Bedienung vorbereitet. Dank der bestehenden Probefahrgenehmigung können die Mitarbeitenden ihre Kenntnisse direkt im Testbetrieb auf der Strecke vertiefen,“ erläutert Dr. Silke Janser.
Schrittweise Umstellung im künftigen Einsatznetz nach Fahrzeugzulassung
Die Zulassung für den Fahrgastbetrieb der Neufahrzeuge wird laut Aussage des Fahrzeugherstellers Stadler im August erwartet. Die ersten Einsätze mit Fahrgästen sollen anschließend im Rahmen eines Probebetriebs stattfinden. Der reguläre kontinuierliche Einsatz ist, nach einer längeren baustellenbedingten Sperrung rund um Winden, ab Herbst auf der Strecke Neustadt (Weinstraße) – Karlsruhe geplant.
„Seitens des Zweckverbandes Öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd freuen wir uns sehr, dass die schrittweise Umstellung der Dieselfahrzeuge auf vielen nicht elektrifizierten Strecken in der Pfalz nun Fahrt aufnimmt. Nach Start auf den Strecken Neustadt – Landau – Karlsruhe (RE 6/RB 51) und Pirmasens – Zweibrücken – Saarbrücken (RB 68) kommen die neuen Akkuzüge bis Ende 2026 auf die saarländische Niedtalbahn zwischen Dillingen und Niedaltdorf (RB 77). Bis Mitte 2027 sind sie dann auch zwischen Kaiserslautern und Pirmasens sowie von Kaiserslautern nach Kusel und Lauterecken im Einsatz. In 2029 folgen dann die Linien Landau – Pirmasens und Winden – Bad Bergzabern. Nach der Umstellung dieser Strecken können dann jährlich ca. sechs Millionen Liter Diesel eingespart werden - ein bedeutender Beitrag für den Klimaschutz“, so Michael Heilmann, Verbandsdirektor ZÖPNV Süd.
Mit der Inbetriebnahme der neuen Akkuzüge gehört die Pfalz zu den ersten Regionen in Deutschland, in denen Dieselfahrzeuge auf nicht elektrifizierten Strecken in den kommenden Jahren schrittweise durch umweltfreundliche elektrische Züge ersetzt werden – ein wichtiger Schritt hin zu einem leiseren, klimafreundlicheren Schienenverkehr in Rheinland-Pfalz.
Herausgeber: ZÖPNV Süd